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Der Klang der
Landschaft ? "Ich lerne jetzt zeichnen ," sagt Saxophonist Kurt gersdorf, "die Leute wollen ja sowieso nur mehr Bilder." Was natürlich sehr schade wäre, aber irgendwie doch stimmt. Unser Land, aus jeder Perspektive zu jeder Jahres- und Tageszeit abgebildet - aber wie klingt es ? Den Klang unserer Landschaft zu musizieren, das wär schon was ? Machen wir uns auf die Suche ? Aber wo beginnen ? "Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis!" sagt unser Bürgermeister und lacht. Dem moment schwebt mir auch schon etwas vor. Gipfeltreffen auf höchster Ebene sozusagen. Grossglockner gerade hoch genug. Da stehen sie auch schon oben; drei Weise aus dem Abendland und beraten über den klang des Alpenlandes. Wollen wir nähertreten und sie belauschen ? "Hört wie wundervoll. " sagt John Cage1) die Berge liegen da wie ein mächtiges Instrument, und wie sie alle wundervoll darauf spielen, die Bäche die Flüsse, die Wasserfälle, der Regen, der Wind. Und wie sie alle gekonnt darin musizieren, die Hubschrauber- und Flugzeugpiloten, die Auto- Lkw- und Traktorfahrer, die Rasenmäher, die Zither, Cd- und Radiospieler, die Lauten und die Leisen........." "John, du mit deinen feinen Ohren wirst es sicher auch hören." sagt Leopold Kohr 2), der Schutzpatron des Regionalen "Jedes Tal hat seinen eigenen Klang, seinen eigenen Rhythmus. Small is beautiful ! Hörst du die feinen Nuancen auch in der Sprache. jeder Dialekt ein anderer. Von einem Tal zum andern, feine Unterschiede. Ein Orchester darf nur so groß werden, dass einer den anderen noch hören kann ein, und die feinen Töne dazwischen. "Und jeder Mensch ein Künstler," fügt Joseph Beuys3) hinzu "Was da noch mancher Orts fehlt ist das Bewusstsein, das Musizieren nicht nur tönen, sondern auch hören bedeutet......dann nimmt er seinen toten Hasen wieder in den arm, zeigt ihm die Landschaft und lauscht. "Hört diese unglaublich lebendige Stille " flüstert John Cage. Wir aber haben genug gehört und wollen uns davonschleichen. Der freundliche John ruft uns noch "happy new ears !" nach. Im Niedergehen entdeckt sich uns, was der Klang der Landschaft sein könnte. Die Landschaft musiziert sich selbst. Ein einziges tönendes Instrument auf dem wir uns spielen; Unsere alltäglichen Bewegungen ein Tanz, unser Reden ein Gesang, der Rhythmus der Natur und unserer vermischen sich, gegen- und miteinander, und dahinter, machmal fast nur mehr zu erahnen, lebendige Stille, an jedem Ort anders, immer wieder neu. Wunderschön ! Aber was bleibt uns da noch zu tun ? Doch noch Zeichnen lernen ? Auf einem Felsen, etwas abseits vom Weg sitzt er, nachdenklich, vielleicht traurig. Dann steht er auf und schreit unvermittelt auf die andere Talseite hinüber. Seine Sehnsucht hallt in den Felsen wider...........und sie antwortet von dort drüben, ebenso............Freudenjubel. Da ist er, der Ursprung unserer Musik : Verständigung. Frei, kraftvoll, zärtlich, vielgestaltig, zeitlos, mutig. Keine Sprache und doch jedem verständlich, jenseits der Noten, purer Klang Jodler - das schönste Geschrei der Welt. Jetzt wissen wir was zu tun ist. wir stürmen förmlich in unser Tal hinab. Auch wenn wir wissen was uns dort erwartet: lauthalses grellbuntes Reklametafelgeschrei, aus jeder Würstelbude, jedem Gastgarten quäken kleine Lautsprecher auf Asphalt- und Parkplatzwüsten hinaus, Bächlein ersterben gurgelnd in den Kanalrohren, der Klang der Landschaft fast erstickt in grauer Verkehrswatte. Da werden wir jetzt Mitmusikzieren und Lauschen. Ein kurzer Blick hinauf beruhigt; er steht noch, der Berg. ........und Kurt Gersdorf packt
sein Saxophon aus und spielt wieder diese unglaublichen Töne. Elisabeth Haas
bringt mit ihrem Gesang alles zum schweben. Kontrabassist Alex Meik gibt dem
Berg die Basis für Gipfelstürme und unternimmt selbst Höhenflügen, Bernhard
Wimmer spielt mit dem Schlagzeug und der Zeit, und ich schreie dazu.........
unser Weg scheint vorbestimmt.......... "berg¹" war die erste Dimension, ein
Punkt. sozusagen Geheimtipp, "berg ²" erobert die regionale Fläche, "berg ³"
wird den Innergebirgsraum erkunden, "berg 4" die Innergebirgszeit
.......und bei "berg 10" werden wir hoffentlich diese wundervolle lebendige
Stille musizieren können, die Klangessenz überhaupt unserer Landschaft.
John Cage: (1912-1992) ,der wohl bekannteste amerikanische Komponist des 20. Jahrhunderts, emanzipierte die Geräusche, Titel eines seiner Vorträge : "Silence" Leopold Kohr: (1909 - 1994 ) Phiolosoph und Staatsökonom, Urheber des ausspruchs: "Small is beautiful " geboren in Oberndorf bei Salzburg................. Joseph Beuys: (1921-1926) einer der bedeutendsten Künstler der Moderne. bekannt durch seinen Ausspruch: "Jeder mensch ist ein Künstler" - eine seiner Aktionen trug den Titel "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt".
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